Kosten der Kartenakzeptanz – Netzbetreiber

Wie kann ich als Händler Karten akzeptieren

Was kostet es mich, was brauche ich dazu, welche Verfahren machen Sinn ?

Zuerst sollte ich mir als Händler Gedanken machen, welche Karten ich akzeptieren möchte. Dies kann abhängen von :

  • meinen Kunden
    Habe ich nur Kunden mit deutschen Karten reichen Systeme wie electronic cash. Habe ich viele ausländische Kunden können sich Kreditkarten oder die Unterstützung von Maestro lohnen.
  • meinem Durchschnitts-Bon
    Vekaufe ich Sachen aus dem „Kleingeld“-Segment lohnt sich evtl. die GeldKarte. Habe ich hochpreisige Waren (Pelze, Schmuck etc.) im Sortiment sollte ich Kreditkarten akzeptieren, da sonst zu schnell das Limit bei girocard oder anderen Kundenkarten zum Girokonto  erreicht ist.
  • meiner Risikofreudigkeit
    Kann ich mir Zahlungsausfälle nicht leisten, habe viel Laufkundschaft oder bonitätsmäßig nicht so tolle Kundschaft sollte ich auf garantierte Zahlungen setzen (ec-cash, GeldKarte, Kreditkarte). Wenn ich mir auch mal ein paar Ausfälle leisten kann riskiere ich vielleicht ELV-Zahlungen; wenn die Zahlung zurückkommt muss ich mich allerdings noch darum kümmern, wie ich an mein Geld komme (kostet Zeit, Geld, Nerven).

Wenn ich mir über diese Punkte klar geworden bin, muss ich mir die nötige technische Ausstattung besorgen. Diese besteht in der Regel aus

  • einem Terminal
  • einem Drucker (ggf. schon eingebaut)
  • Modem/ISDN-Adapter/DSL-Anschluß (extern oder eingebaut)

Das wiederum bedeutet, ich brauche am Kassenplatz etwas Stellfläche, einen Leitungsanschluss und ein oder zwei Steckdosen.

Die Terminalausstattung kann man entweder mieten oder kaufen. In der Regel wird die Ausstattung für einen monatlichen Preis gemietet, in dieser Miete sind dann meist auch noch solche Kosten wie Netzbetrieb, Hotline, Austauschservice enthalten. Eine gute Anlaufstelle ist erstmal die eigene Bank, die meisten Banken vertreiben oder vermitteln auch entsprechende Terminals. Außerdem kennt man hier seinen Ansprechpartner und die Bank hat natürlich ein eigenes Interesse daran, einem bei den nötigen Vorbereitungen zu helfen (schließlich verdient sie ja auch daran). Man kann auch zu einem der diversen Netzbetreiber gehen und dort ein Terminal kaufen/mieten. Dann muss man sich allerdings zusätzlich noch um etwas Papierkram mit der Bank kümmern (Einreichung der Zahlungen durch den Netzbetreiber).

Die Preisvergleiche sind nicht immer einfach, mal werden Pauschalen abgerechnet, mal jede Leistung einzeln. Folgende Kosten können entstehen (nicht abschrecken lassen, viele Sachen sind oftmals durch Pauschalen abgedeckt) und sollten beim Preisvergleich berücksichtigt werden:

  • Terminalmiete
  • Pauschale für Netzbetrieb
  • Kosten für Hotline oder Austauschservice
  • sind Freitransaktionen in den Pauschalen enthalten ?
  • wie berechnet die Bank Einreichungen vonZahlungen ?
  • kann das Terminal alle von mir gewünschten Zahlungsarten abwickeln ?

Wenn ich die technische Ausstattung habe kommen noch administrative Dinge :
In der Regel muss ich mit meiner Bank (zusätzlich zu einem eventuellen Terminalvertrag) noch einige Vereinbarungen abschließen:

  • Vereinbarung über den Lastschrifteinzug
    Wenn ich mit ec-cash/ELV Lastschriften einziehe
  • Vereinbarung über die Teilnahme am ec-cash-System und ggf. GeldKarte
    Das regelt solche Sachen wie die Haftung, die Prüfungspflicht und die System-Entgelte für Autorisierung und Sperrdateiabfrage, ec-cash Händlerbedingungen et al
  • Vereinbarung über Datenträgeraustausch mittels Service-Rechenzentrum
    Wenn die Bank nicht selber auch technisch das Netz betreibt wird ein externer Dienstleister (technischer Netzbetreiber) für die technische Abwicklung genutzt. Dieser erstellt dann am Tagesende die Zahlungsdateien und reicht sie für mich bei der Bank ein.

Wenn ich auch Kreditkarten akzeptieren möchte kann ich auch erstmal meine Bank fragen. Viele Banken betreiben entweder selber das Acquiringgeschäft oder vermitteln mich an einen Acquirer (Händlerbank) weiter. Alternativ kann ich mich auch selber bei den Acquirern melden und dort um die Unterlagen bitten, um Vertragsunternehmen zu werden.
Online geht das bei American Express, Infos über Acquirer online bei VISA Deutschland und MasterCard Deutschland.

Schön, und wann kriege ich dann mein Geld ?
Das ist je nach Zahlungsverfahren unterschiedlich. Zuerst einmal muss ich jeden Abend einen Kassenschnitt oder Tagesabschluss am Terminal durchführen. Erst dadurch wird der Netzbetreiber veranlasst, die tagsüber aufgelaufenen Buchungen zusammenzufassen und bei der Bank oder den Kreditkartenunternehmen einzureichen.

  • ec-cash und ELV werden von der Bank per Lastschrift eingezogen und mit einer vereinbarten Wertstellung in einer Summe (ggf. je Zahlungsart) meinem Konto gutgeschrieben
  • GeldKarte-Umsätze werden gebündelt und ich erhalte alle Gegenwerte des Tages per Überweisung
  • Kreditkartenumsätze werden mir vom Kreditkartenunternehmen im vereinbarten Intervall (je nach Vereinbarung täglich bis monatlich) zusammen per Überweisung gutgeschrieben

 Wer ist denn dieser Netzbetreiber, der da scheinbar immer zwischenhängt ?

Netzbetreiber / SchemaDer Netzbetreiber betreibt das Netz, an dem die Terminals angeschlossen sind. Er nimmt dabei mehrere Funktionen wahr :

  • Technische Überwachung des Netzes, Störungsbehebung, Service
  • Weiterleitung von ec-cash-Autorisierungsanfragen und Routing an die zuständige Autorisierungszentrale des Bankgewerbes, Rückmeldung der Genehmigung an das Terminal zum Abschluß der Transaktion
  • Weiterleitung von Kreditkarten-Autorisierungsanfragen an die zuständige Kreditkartengesellschaft und Rückmeldung an das Terminal
  • Evtl. Überwachung von internen Sperrlisten (die eine Firma für ELV dort angelegt hat)
  • Am Tagesende (nach Kassenschnitt oder Tagesabschluß des Terminals) Einleitung der Zahlungsverkehrs-Abwicklung
    • Einreichung ELV-Dateien und ec-cash-Dateien an das Rechenzentrum der Bank, bei der der Terminalbetreiber sein Konto hat. Die Bank führt diese Lastschriften aus und schreibt sie dem Konto des Terminalbetreibers gut.
    • Meldung der Transaktionen an die Kreditkartenunternehmen (Processor), damit dort die Abwicklung angestoßen wird und der Terminalbetreiber zum vereinbarten Zeitpunkt seine Gutschrift erhält.
    • Meldung der GeldKarte-Transaktionen an die Evidenzzentrale, damit der Terminalbetreiber seine Überweisung erhält.
    • Einzug der Autorisierungsentgelte (ec-cash, GeldKarte) und Weiterleitung an die kartenausgebenden Banken
Netzbetreiber
Quelle: Bankakademie, Besondere Bankbetriebslehre

Man trifft ggf. noch auf eine Unterteilung in technische und kaufmännische Netzbetreiber. Ein technischer Netzbetreiber macht genau das, was oben beschrieben ist, er wickelt die Technik ab. Ein kaufmännischer Netzbetreiber bietet ebenfalls diese Dienstleistungen an und berechnet sie auch; intern hat er jedoch ggf. einen technischen Netzbetreiber beauftragt, die Technik für ihn abzuwickeln.
Die auf den ersten Blick kompliziert anmutende Trennung zwischen Netzbetrieb und Zahlungsverkehr rührt daher, dass bei der Einführung von electronic cash das Kartellamt ein Monopol verhindern wollte, das Technik und Zahlungsverkehr alleine in den Händen der Banken gebündelt hätte.

Zugelassene electronic-cash Netzbetreiber

Um in Deutschland Netze und Terminals für „zugelassene“ Zahlungsverfahren electronic cash und GeldKarte betreiben zu dürfen, benötigt man eine Zulassung als Netzbetreiber vom ZKA. Die Regelungen, welche Anforderungen man für die Zulassung als Netzbetreiber erfüllen muß, sind im „Vertrag über die Zulassung als Netzbetreiber“ (Anlage 5 zum ec-cash Abkommen) mit den jeweiligen technischen Anhängen aufgeführt.

Eeine Liste der zugelassenen Netzbetreiber und anderer Dokumente ist auch unter  „Liste der bisherigen Zulassungen“ auf der electronic cash Website  zu finden.

Eine Selbstdarstellung und Beschreibung der Tätigkeiten finden Sie auch auf der Website des Arbeitskreises der ec-cash Netzbetreiber.

 

Zum Schluß nochmal eine kleine Checkliste der möglichen Kosten.
Fixkosten (zB monatlich) :

  • Terminalmiete
  • Pauschale für Netzbetrieb
  • Hotline, Depotwartung, Austauschservice
  • Telefonanschluß (wenn nicht schon vorhanden)

variable Kosten :

  • Telefonkosten bei Online-Transaktionen (normalerweise in einer Einheit erledigt)
  • Transaktionskosten des Netzbetreibers
  • Autorisierungsentgelte /Disagio