Wie es mit dem Homebanking in Deutschland begann:
Am Anfang war Bildschirmtext (kurz: BTX). Das war zu Zeiten, als die Telekom
noch der Monopolist Deutsche Bundespost war. Die für die Nutzung von
Bildschirmtext nötigen Endgeräte waren teuer, proprietär und
"dumm", eigentlich nur bessere Bildschirme mit angeschlossener Tastatur.
Die Geräte hatten keine eigene Intelligenz, diese wurde vor der Tastatur
vermutet (wenn ich an die pixeligen "Erotik"-Angebote von damals denke
habe ich allerdings meine Zweifel, ob das immer der Fall war). Nicht
von der Post zugelassene Modems wurden schonmal von übereifrigen
Staatsanwälten beschlagnahmt, 2400 cps Übertragungsgeschwindigkeit
waren schon richtig flott und wer seine eigene Telefonleitung in der Wohnung
verlängerte verstieß gegen geltendes Recht.
Die Darstellung im sogenannten CEPT-Standard war sehr beschränkt (25 Zeilen je 40 Zeichen), die grafischen Möglichkeiten rudimentär, es gab aber immerhin ein integriertes Abrechnungssystem (was wir heute in Zeiten des Internet alle vermissen). Das gesamte BTX-Netz wurde von der Bundespost betrieben, Anbieter hatten aber die Möglichkeit, über die Ankopplung sogenannter "Externer Rechner" ihre EDV-Resourcen an BTX anzubinden. Dies nutzen auch die Banken und so wurde das Homebanking geboren. Richtige Verbreitung erfuhr BTX allerdings erst, als die Post endlich auch Heimcomputer und PCs mit Modem zuließ, die über sogenannte Softwaredecoder den BTX-Standard darstellen konnten.
CEPT Homebanking im Dialog
Da die eingesetzten Geräte über
keinerlei eigene Intelligenz verfügten, mußte ein darauf
angepaßtes Sicherungskonzept entwickelt werden. Aus dieser Not heraus
wurde das PIN / TAN- Verfahren erfunden (und im "Abkommen über
Bildschirmtext" von 1984 zwischen den Banken vereinbart), das uns auch heute
noch oft im Internetbanking begleitet.
Mittels der PIN (Persönlichen Identifikationsnummer) konnte man als
Kunde Zugang zu seinem Konto erreichen, allerdings war hier nur der rein
Abruf von Informationen wie Kontoständen oder Umsatzdaten möglich.
Wollte man auch Aufträge erteilen, mußten diese jeweils unter
Nutzung einer TAN (Transaktionsnummer) freigegeben werden. Jeder Nutzer hatte
eine geheim zu haltende Liste von 25 bis 50 dieser jeweils nur ein einziges
Mal einzusetzenden Nummern.
Um Verbindungskosten zu sparen und die Daten auch offline zur Verfügung
zu stellen gab es die ersten Homebankingprogramme, welche die von der Bank
genutzten Dialog-Masken auslesen oder ausfüllen konnten. Nachteil: Wenn
eine Bank ihre Masken änderte, fuhren die Programme meist voll vor die
Wand. Erinnert sich noch jemand an die Bauchschmerzen, die einem sogar noch
Quicken 3 machen konnte?
Die ZKA-Maske
Um auch mittels PC-Programmen den Zugang
zum Homebanking zu vereinfachen, wurde 1987 die sogenannte "ZKA-Schnittstelle"
geschaffen. Diese war keine vom Benutzer zu bedienende Dialogmaske mehr,
sondern nutzte den kompletten BTX-Bildschirm von 40x25 Zeichen als reine
Datenschnittstelle. Hier wurden durch den PC nur noch Nettodaten übertragen
und durch ein mehr oder weniger einheitliches Datenformat die Kommunikation
vereinfacht. Als Sicherungskonzept wurden auch hier PIN und TAN eingesetzt.
Da BTX seitenorientiert arbeitete war diese Übertragung für große
Datenmengen immer noch nicht so furchtbar geeignet (das "Umblättern"
dauerte halt auch Sekunden), gegenüber dem dialogbasierten Verfahren
war die Kommunikation aber schon wesentlich beschleunigt.
Das Ende von BTX
Duch die rasende Verbreitung des Internet in den 90ern haben sich intelligente
Endgeräte verbreitet, die selber zur Sicherheit von Homebanking durch
Verschlüsselung etc. beitragen können. Ein Ausfluß dieser
Entwicklung ist HBCI -Homebanking Computer
Interface-, das sicheres Homebanking auch in offenen Netzen
ermöglicht.
Aus diesem Grunde wurde auch Ende 2001 der mittlerweile "T-Online Classic"
genannte Dienst eingestellt.
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