Um zu klären, was genau sich hinter EDIFACT verbirgt, ist es zunächst sinnvoll, den Begriff EDI näher zu erläutern.
Das Begleichen einer Rechnung stellt in der Regel den letzten Teil eines
Prozesses aus Anfrage, Angebot, Auftrag, Lieferung, Bezahlung (u.a.) dar.
In jedem Teil dieses Prozesses werden Daten zum Vorgang in elektronischen
Systemen (Buchhaltung, Bestellwesen, Kalkulation, Mahnwesen etc.) erfaßt.
Viele Daten, die in jedem Teil erfaßt werden, bleiben jedoch inhaltlich
vom Anfang bis zum Ende gleich, werden also mehrfach erfaßt. Daß
diese "Medienbrüche" unwirtschaftlich und fehlerbehaftet sind, versteht
sich von selbst ;-)
Optimal wäre also, Daten, die in späteren Prozeßteilen wieder
benötigt werden, aus vorherigen Abschnitten zu übernehmen. Als
problematisch bei der Realisierung eines solchen Optimums stellen sich immer
wieder unterschiedliche Standards oder Datenformate in den verwendeten Programmen
oder einfach in verschiedenen Ländern dar. Hier versucht nun EDI eine
Vereinheitlichung.
EDI steht für "Electronic Data Interchange" und soll als Oberbegriff alle Konzepte, die o.g. Anforderungen (also einmalige Erfassung, Übertragung und Weiterverarbeitung ohne manuelle Eingriffe) erfüllen, beinhalten. Bisherige branchenspezifische EDI- Lösungen könnten einigen von Ihnen bereits bekannt sein, wie z.B. der S.W.I.F.T.- Standard unter Banken oder der ODETTE- Standard der Automobilbranche. Hier wurden zwischen den beteiligten Partnern bestimmte Vereinbarungen getroffen, wie z.B. die zu übermittelnden Daten aufgebaut sein sollen und welche Bedeutung einzelne Segmente des Datenpaketes haben. Durch die Abwicklung von Geschäftsvorfällen auf Basis vorgenannter EDI- Systeme läßt sich also schon ein beachtliches Maß an Zeit und Geld einsparen. Doch EDI ist nicht der Weisheit letzter Schluß ;-) , denn die Probleme fangen dort wieder an, wo ein Geschäftsvorgang von einem EDI- System zum nächsten übergeht (Beispiel: Autos wurden mittels ODETTE beim inländischen Hersteller bestellt und an den ausländischen Importeur ausgeliefert. Der Zahlungsauftrag des Importeurs kann aber aus dem ODETTE- System nicht direkt ausgelöst werden, also muß ein Auftrag an die Bank des Importeurs erteilt werden, die Zahlung anzuweisen. Die Bank wiederum erfaßt den Auftrag in Ihrem System und überweist der Bank des Herstellers mittels S.W.I.F.T. das Geld. Die Ausbuchung des offenen Postens aus ODETTE muß dann beim Hersteller erneut manuell vorgenommen werden, da S.W.I.F.T. und ODETTE nicht miteinander kompatibel sind. Auch hier sind die "Medienbrüche" also noch anzutreffen (wenn auch in geringerem Ausmaß).
In gemeinsamer Arbeit zwischen Europäischer Kommission für Wirtschaft
(ECE), den Vereinten Nationen und Vertretern einzelner branchenspezifischer
EDI- Lösungen wurde ein Standard geschaffen, der sämtliche anfallenden
Geschäftsvorfälle vom Anfang (der Anfrage auf Abgabe eines Angebotes)
bis zum Ende (dem Erhalt der "Bezahlt- Meldung") branchen- und
länderübergreifend nach den EDI- Vorgaben abwickeln soll.
Dieser Standard heißt EDIFACT und steht für
"Electronic Data
Interchange for
Administration, Commerce and
Transport). In einer EDIFACT- Software- Lösung wird
jeder Vorgang mit einer so genannten EDIFACT- Nachricht beschrieben. Die
EDIFACT- Nachricht "PAYORD" beschreibt z.B. einen Zahlungsauftrag, die Nachricht
"FINCAN" löst einen Stornierungsauftrag aus. Da hier nur das grundlegende
EDIFACT- Verfahren beschrieben werden soll, verzichtet der Autor mit Blick
auf die notwendige Arbeit auf eine Aufstellung sämtlicher EDIFACT-
Nachrichten und deren Bedeutung an dieser Stelle (ein mögliches Feature
der 2.0- Version...)
Eine kleine Grafik soll schematisch darstellen, wie ein typischer Prozeß
mit Hilfe von EDIFACT abgewickelt werden kann (wir bleiben der Einfachheit
halber beim Beispiel des Autoherstellers):

Grafik in voller Größe
(960*720, 86k)
Erläuterung:
1. der Importeur sendet dem inländischen Hersteller eine
Anfrage bezgl. einer möglichen Bestellung von 5.000 Pkw mittels email
2. der Hersteller antwortet auf die Nachricht mit der (elektronischen) Abgabe
eines Angebotes
3. der Importeur versendet eine Bestellung
4. der Hersteller bestätigt diese
5. während der Laufzeit informiert der Hersteller den Importeur laufend
mit Informationen über den Status der Auftragsbearbeitung
6. die Autos werden verschifft (nicht per EDIFACT...) und der Importeur
erhält die EDIFACT- Nachricht über die erfolgte Auslieferung
7. der Hersteller versendet die (elektronische) Rechnung
8. der Importeur leitet die notwendigen Daten an seine Bank weiter mit dem
Auftrag zur Zahlung
9. die Bank des Importeurs erteilt dem Importeur die Information über
die Belastung seines Kontos (und avisiert ggf. dem Hersteller [je nach Auftrag]
die Auslösung der Zahlung)
10. zwischen Bank des Importeurs und Bank des Herstellers erfolgt eine
Verrechnung über den betreffenden Betrag
11. die Bank des Herstellers stellt die Kontoinformation für ihn im
MT940 - Format bereit
Die elektronischen Dokumente können also mit Hilfe des EDIFACT- Standards ohne Ausdrucke oder Mehrfacherfassungen in der EDV der verschiedenen Empfänger weiterverarbeitet und ggf. in Folgenachrichten übernommen werden.
Derzeit wird EDIFACT- fähige Software vornehmlich noch in größeren Unternehmen eingesetzt, aufgrund europäischer Harmonisierung der Wirtschaft und zunehmender Globalisierung wird es jedoch nur eine Frage der Zeit sein, bis sich EDIFACT- Lösungen auch in kleineren mittelständischen Betrieben durchgesetzt haben.
Christian´s Nachtrag:
Die
STUZZA hat u.a. weitere Informationen.
Spezifikationen siehe auf der
Formate-Seite.
Zurück zum Elektr. Zahlungsverkehr, zur Hauptübersicht oder zur Startseite
Es gelten die Disclaimer
Berlin, im September 1999
(c) 99 Stefan Krieg